Der Fluch der bösen Tat

Es gärt und brodelt überall: Syrien und der Irak versinken im grausamen Bürgerkrieg aller gegen alle, in der Türkei ringen islamitische und säkulare Kräfte um die Vormacht. Ägypten ist im Daueraufruhr, und auch am Nordrand dieser unruhigen Weltgegen, im Kaukasus und in der Ukraine, ist die Lage explosiv. Mit der im eigenen Scharfsicht beleuchtet Peter Scholl-Latour eine Region, über der nach jahrzehntelanger politischer und militärischer Intervention des Westens ein Fluch zu liegen scheint – der Fluch der bösen Tat heilloser Einmischung. Das Buch ist das Vermächtnis des großen Journalisten und „Welterklärers“ Peter Scholl-Latour.

September 2014
Rezension:

Peter Scholl-Latour

Der Fluch der bösen Tat

Das Scheitern des Westens im Orient

Propyläen, Berlin 2014, 352 Seiten, ca. € 25,--, ISBN 978-3-549-07412-1

Wenige Tage vor seinem Tod hat Peter Scholl-Latour, profiliertester Berichterstatter über die Krisenherde der Welt, sein letztes Buch abgeschlossen.

Peter Scholl-Latour hinterlässt in diesem letzten Werk mit dem Titel „Der Fluch der bösen Tat“ ein Vermächtnis. Er vermittelt eine eindrückliche Übersicht über die derzeit gefährlichsten Krisenherde dieser Welt – Ukraine, Naher und Mittlerer Osten. Ausgangspunkt dieser uns voraussichtlich noch während Jahren beschäftigenden Krisen ist nach Scholl-Latour „das Scheitern des Westens im Orient“ (so lautet der Untertitel des neuen Buches).

Die Interventionspolitik unter Führung Washingtons sei, an oberflächlichen Glaubenssätzen orientiert, meistens von beklemmender Kurzsichtigkeit. Die USA gäbe vor, der Welt „die Demokratie zu vermitteln“ – und scheitern dramatisch, weil sie sich konsequent weigern, sich je eingehend mit den Verhältnissen und historischen Gegebenheiten am Ort ihrer idealistisch losgetretenen Interventionen zu befassen. Sie glaubten an kurze Einsätze – und haben in Wahrheit jahrelang anhaltende Unruhen und Gewalt, Chaos und Anarchie losgetreten: Das, was – für die ganze Welt sichtbar – in all jenen Ländern Tatsache geworden ist, für die man mit viel Vorschusslorbeeren eben noch den „Ausbruch in den Arabischen Frühling“ oberflächlich gefeiert habe.

Scholl-Latours Kommentare sind interessant und wertvoll – ein echtes Vermächtnis eines der hartnäckigsten Beobachter und Kommentatoren des Weltgeschehens. Nicht Skandal-Berichterstattung steht im Vordergrund, vielmehr sorgfältige, auf unzähligen Gesprächen beruhende Einschätzung der das Geschehen bestimmenden Kräfte. Ein Drama, dass die USA, die Nato- und EU-Strategen diesen Zeugen der Gegenwart viel zu wenig ernst genommen haben.

Mit einer Gratulation von Helmut Schmidt zum 90. Geburtstag des Autors im März dieses Jahres im Abschlusskapitel endet sein Letztwerk. Peter Scholl-Latour ist am 16. August 2014 gestorben.

 

Quelle: Schweizerzeit, 36. Jhg. Nr. 19, S. 14, 10. Oktober 2013.

 





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