Die Karlsbadverschwörung

Am 1. Jänner 1819 wird Jena von einer Explosion erschüttert. Wenig später erdolcht der Burschenschafter Karl Ludwig Sand den reaktionären Autor und russischen Staatsrat August von Kotzbue.

Stehen diese beiden Ereignisse in einem Zusammenhang?
Steckt gar der radikal-burschenschaftliche Kreis der „Unbedingten“ des Karl Folienius hinter den dramatischen Vorgängen?
Einem jedenfalls kommt die politische Unruhe zupass: Der rechten Hand Metternich´s: Friedrich von Gentz, dessen langer Arm von Wien aus versucht die Ereignisse zu nutzen, um die progressiven, politischen Kräfte in allen deutschen Landen zu unterdrücken.
Oder steckt doch viel mehr hinter der politisch motivierten Gewalt?

Ein historischer Roman von erschreckender Aktualität!

März 2017
Rezension:

S.Coell 

Die Karlsbadverschwörung

225 S., ISBN: 978-3-900052-31-7, € 19,90

Der Roman spielt zwischen dem Kongress zu Aachen und jenem zu Karlsbad, also zwischen September 1818 und Oktober 1819.

 

In ganz Deutschland sind progressive Ideen, vor allem jene von der Einführung von Repräsentativverfassungen, am Vormarsch. Aus der Sicht der österreichischen Reaktion ist es daher erforderlich, die Burschenschaft zu verbieten und dem "Presse- und Universitätsübel" Herr zu werden. Am Kongress zu Aachen gelingt es der rechten Hand Metternichs, Friedrich von Gentz, nicht, die Fürsten von seinen restriktiven Ideen zu überzeugen. Er entsendet daher den Spitzel Klaus Steinmetz nach Jena. Dieser soll sich in den radikalen und gewaltbereiten Kreis der „Unbedingten“ rund um Karl Follenius einschleichen und sicherstellen, dass es aus diesem Kreis zu Attentaten kommt. Durch eine solche Anspannung würden die liberalen Fürsten einsehen, dass sie falsch liegen und letztlich den Vorschlägen Metternichs folgen. Tatsächlich kommt es im Laufe der Handlung zu Vorfällen, die eine Mehrheit im engeren Ausschuss der Bundesversammlung für die "Karlsbader Beschlüsse" nach sich ziehen.

 

In Jena trifft Steinmetz auf Follenius. Sein Kreis ist von der Ethik des Philosophieprofessors Jakob Friedrich Fries geprägt: Gott hat seine Samenkörner in jeden Menschen gelegt – wer in sich hinein hört, kann seine Stimme vernehmen – wer Gottes Stimme vernimmt, hat eine Überzeugung – wer eine Überzeugung hat, muss sie realisieren. Dadurch soll sich die Welt in eine bessere, nämlich in eine Republik verwandeln. Tatsächlich beabsichtigt Follenius, eine protestantisch-republikanische Verfassung in ganz Deutschland in Kraft zu setzen. Seine Strategie ist jene des "Attentatismus": Durch politisch motivierte Attentate soll das Volk auf seine Ideen aufmerksam werden. Die neu entstandenen Massenmedien (Zeitungen und Journale) sollen ihren Beitrag dazu leisten. Allerdings wird den potentiellen Attentätern Großes abverlangt, zumal die Ethik von Fries unter der Maßgabe der "Goldenen Regel" steht: "Tue niemandem etwas an, was du nicht selbst bereit bist zu ertragen" – das bedeutet, dass sich die Attentäter selbst richten müssen, um zu beweisen, dass sie nicht aus niederen Motiven gehandelt haben. 

 

Steinmetz’ Aufgabe liegt nun darin sicher zu stellen, die terroristische Energie der Unbedingten in die "richtige" Bahn zu lenken. Dabei lernt er nicht nur das Wesen der Urburschenschaft kennen, sondern hat auch eine Reihe prekärer Situationen zu bestehen ...

 

Die "Karlsbadverschwörung" ist von erschreckender Aktualität, zumal Grundrechte wie die Meinungsäußerungsfreiheit auch heute bedroht sind. Der Roman beschreibt auch das Verhältnis eines großen, besonnenen Verbandes zu seiner radikalen, unbesonnenen Minderheit - ebenfalls ein Aspekt, der im politischen Leben der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart immer wieder eine Rolle spielte. Die Verbindung aus diesem Gegenwartsbezug und historischen Fakten, die zu einer spannenden Geschichte verwoben sind, machen "Die Karlsbadverschwörung" unbedingt lesenswert.





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