Religiöse Denkmäler im türkisch besetzten Zypern

Das Buch "Religiöse Denkmäler im türkisch besetzten Zypern: Die Zerstörungen geht weiter - eine Bestandsaufnahme" ist in sieben Kapitel eingeteilt. Es beginnt mit einem Vorwort seiner Eminenz Nikiphoros, Bischof von Kyykos und Tillyrien (S. 9), gefolgt von einem Vorwort der deutschen Ausgabe von Heinz-Christian Strache (S. 11) und von dem EU-Palamentarier Andreas Mölzer (S. 12), und einem Prolog von Dr. Demetrios Triantaphyllopoulos (S. 13), Professor für Byzantinische und Post-Byzantinische Archäologie und Kunstge-schichte an der Universität Zypern. Im ersten Kapitel des Buches wird unter dem Titel „Historischer Hintergrund“ (S. 17-24) der historische Kontext von Zypern seit der frühchristlichen Periode bis zur türkischen Invasion im Jahr 1974 dargestellt.

Die Details der Forschungsprogramme und Erhebungen in den Kirchen in den besetzten Gebieten Zyperns werden unter dem Titel „Das Programm zur Registrierung religiöser Denkmäler“ (S. 25-48) dargelegt. Außer den orthodoxen Kirchen werden auch jene anderer Dogmen - wie der römisch-katholischen, protestantischen, armenischen und maronitischen Kirche - sowie die heiligen Plätze anderer Religionen (jüdische) präsentiert und in weiterer Folge deren Erhaltungszustand dokumentiert. Die Politik, die das türkische Regime in diesen Fällen verfolgt, wird ebenfalls analysiert und zeigt den Mangel an religiöser Toleranz im Sinne der Religionsfreiheit gegenüber Nichtmuslimen, die in den okkupierten Gebieten Zyperns leben, auf.

Der Autor präsentiert im Kapitel „Die ´neue Nutzung´ oder Zweckentfremdung religiöser Gebäude“ (S. 49-84) christliche Kirchen in den besetzten Gebieten ihrer heutigen Nutzung durch das Militärregime entsprechend: als Moscheen, Kasernen, Stallungen, Hühner- und Schafställe, Getreidespeicher und Lagerhallen. Aktuelle Photographien illustrieren diese Beschreibungen. Eine spezielles Augenmerk widmet der Autor jenen Fällen, in denen Kirchen an Privatpersonen verkauft und in Wohnhäuser, Geschäfte, Büros, Werkstätten, Kulturtreff-punkte, Parkplätze, Fitnesscenter, Kaffeehäuser, Gesellschaftstreffpunkte, Hotels, Pubs, Badehäuser, Museen, Tanzlokale oder Leichenhallen umgewidmet wurden.

Spezielle Einzelfälle werden anhand der nötigen bibliographischen Referenzen und des Photomaterials dargelegt und zeigen die Plünderung von Kirchen, Museumssammlungen und archäologischen Plätzen durch die türkischen Plünderer unter dem Titel „Plünderung, Kirchenraub und illegaler Handel mit Kunst- und Kultur-schätzen aus dem besetzten Nordteil Zyperns“ (S. 85-94). Auf den Folgeseiten kann der Leser im Kapitel „Kunstwerke und Denkmäler klagen an - der Zustand christlicher Bauwerke und Kulturdenkmäler im besetzten Nordteil Zyperns“ (S. 95-135) repräsentative Beispiele von verzierte Kirchen im besetzten Norden finden, deren Fresken und Mosaike abmontiert und von den Plünderern ins Ausland verkauft wurden. Der photographische Vergleich von der Zeit vor 1974 bis heute dokumentiert auf überzeugende Weise die stattgefundene Zerstörung des kulturellen Erbes.

In einem weiteren Kapitel erfasst Dr. Chotzakoglou die mit der Thematik im Zusammenhang stehenden internationalen Abkommen und Konventionen, worin die internationale Gemeinschaft die Zerstörung des Kulturerben von Zypern anprangert.

Das letzte Kapitel des Buches beinhaltet unter dem Titel „Muslimische Bauwerke und Moscheen im freien Zypern“ (S. 139-141) die zahlreichen Fälle, in denen das Amt für Denkmalschutz der Republik Zypern Moscheen in den freien Gebieten Zyperns - und zwar mit Regierungsgeldern - reparieren und restaurieren ließ. Das photographische Material dieses Kapitels veranschaulicht den Lesern aufs Deutlichste den Respekt, der religiösen Bauwerken und der Religionsfreiheit von religiösen Minderheiten im freien Teil Zyperns entgegengebracht wird. Eine umfassende Bibliographie, Anmerkungen und Quellenangaben zu den Fußnoten (S. 142-149) begleiten die Texte und das Photomaterial, gefolgt von einem Index der Personen- und Ortsnamen (S. 150-156), einem Lebenslauf des Autors (S. 157) und einer Landkarte, auf der alle besetzten Dörfer und Städte eingezeichnet sind.

Das Buch des Byzantinist, Univ.-Prof. Dr. Charalampos Chotzakoglou, bietet derzeit die jüngste, vollständigste, präziseste sowie am neuesten Stand befindliche Regist­rierung und Darstellung der Zerstörung von religiösen Denkmälern in den türkisch besetzten Gebieten Zyperns mit detaillierten Beschreibungen, bibliographischen Referenzen und beeindruckendem, qualitativ hochwertigem Photo- und Archivmaterial. Obwohl in dem Buch die Ergebnisse eines wissenschaftlichen Projekts präsentiert werden, ermöglicht der aufgrund seiner Formulierung leicht lesbare Text, dass nicht nur die Akademischen Gemeinschaft, sondern auch die breiten Öffentlichkeit über das heikle Thema, welches stark mit den tragischen Folgen der türkischen Invasion im Jahr 1974 und der fortschreitenden Okkupation des Nordens von Zypern im Zusammenhang steht, informiert und dafür sensibilisiert werden kann. Gleichzeitig bestätigt und untermauert der Autor die Plünderungen und den illegalen Handel mit tausenden zypriotischen Artefakten, die sich heute in Sammlungen in Europa, Japan, USA und Kanada befinden.

Diese Ausgabe des Weltforums für Religion und Kultur des Kykkos-Klosters schließt einen wichtige Lücke in der Bibliographie und unterstützt damit gleichzeitig die Bemühungen der Republik Zypern und der Kirche bei den Verhandlungen über die Probleme Zyperns und über die Forderungen, dass in den besetzten Teilen der Insel die freie Religionsausübung und die Erhaltung des Kulturerbes gewährleistet werden, eine Lösung zu finden.

Dieses Buch, das das FPÖ-Bildungsinstitut ins Deutsche übersetzen ließ, wurde bereits in Griechisch, Englisch, Italienisch und Französisch herausgegeben.

 

Februar 2014
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